Kirche St. Martin in Glaning

St. Martin in Glaning

 

Patrozinium am 11. November

 

Wallfahrt zu den heiligen Ärzten und Märtyrern Cosmas und Damian

Fest am 26. September

 

 

 

Glaning ist eine flächenmäßig weitläufige Fraktion von Jenesien mit zahlreichen Höfen und einem beachtlichen Höhenunterschied zwischen 680 und 1200 m. Die Kirche (etwa 750 m hoch gelegen) mit dem ehemaligen Widum und der einladenden Gastwirtschaft ist eingebettet in Weinberge und Obstwiesen, umgeben von alten Kastanienbäumen – ein idyllischer Fleck und, abgesehen vom saisonbedingten Ansturm sonntäglicher Ausflügler aus der Stadt, ein stiller Ort. Lange Zeit war im 1803 erbauten Widum auch ein Schulzimmer für die Glaninger Kinder, die der Herr Expositus unterrichtet hat. Die Kinder hatten trotzdem noch weit genug zu gehen, aber sie waren immerhin in der geistig-geistlichen Mitte ihrer Fraktion versammelt und dort daheim.

Die erste Kirche, der hl. Maria Magdalena geweiht, wurde nach Andergassen schon im 12. Jahrhundert erbaut, ihre erste urkundliche Erwähnung datiert nach Trafojer von 1334. Im 14. Jahrhundert gab es dann bauliche Veränderungen, die der Verschönerung dienten und aus konservatorischen Gründen notwendig waren. Das heutige Aussehen des Kirchenbaus stammt größtenteils von Um- und Neubauten aus den Jahren 1661-1680 nach Plänen von Giacomo Delai aus Bozen, der damals im Land eine große Bautätigkeit entwickelt hat. (Näheres darüber von Leo Andergassen im Dorfbuch.) Das Portal trägt die Jahrzahl 1662. Doch erst am 29. Juni 1710 hat der Trienter Fürstbischof Johann Michael Graf von Spaur die Weihe vorgenommen. Damals kam auch ein neuer Barockaltar in das Kirchlein mit dem Altarbild, die Mantelteilung des hl. Martin darstellend, das heute noch den Hochaltar schmückt.

 
Der Wechsel des Patroziniums von Magdalena zu Martin soll 1613 abgeschlossen gewesen sein; von da an ist jedenfalls nur mehr von einer Martinskirche die Rede. (Veränderungen des Patroziniums gab es in früheren Zeiten häufig, auch bei der Pfarrkirche von Jenesien). Der hl. Martin gilt, weil oft als Offizier auf einem Pferd dargestellt, als Bauernheiliger, wenn auch in den Quellen von einem berittenen Soldaten oder Offizier nicht die Rede ist. Der hl. Martin ist eine überragende Gestalt der frühen Kirchengeschichte, ja er gilt nach seinem ersten Biographen Sulpicius Severus geradezu als das Urbild eines Heiligen, weil sein Leben allein auf Christus hin ausgerichtet war. Deshalb ist er ein Vorbild für das christliche Leben. (Eine kurze, schön bebilderte Biographie ist im gleichen Verlag wie dieser Führer erschienen und am Schriftenstand in Jenesien erhältlich: H.P. Der hl. Martin von Tours. 2. Aufl. Regensburg 2011.)

 

Die heiligen Brüder Cosmas und Damian in Glaning

Wichtig für Glaning ist die spätere Verbindung der Kirche mit den heiligen Ärzten Cosmas und Damian. Im Jahr 1786 wurde die uralte, vielleicht schon auf das 6. Jahrhundert zurückgehende Wallfahrt zu diesen Heiligen, die in einer Kirche am Steilhang zwischen Glaning und dem im Tal liegenden Siebeneich, also unter der Burgruine Greifenstein, beheimatet war, im Gefolge der sogenannten Reformen Kaiser Josephs II. profaniert und geschlossen. Nach Wilhelm Dietrich (Arzt und Apotheker im Spiegel ihrer alten Patrone Kosmas und Damian. Lindenberg u. Warthausen 2005) war diese Kirche die älteste Kultstätte für die beiden Heiligen im deutschen Sprachraum. Die Reliquien und das frühbarocke Altarbild kamen auf Bitten der Glaninger und mit Unterstützung der Chorherren in Gries am 2. Oktober 1786 nach Glaning – ein großes Ereignis für das religiöse Leben der ganzen Pfarrei. Das schöne Gefäß mit den Reliquien wird im Tabernakel des Hochaltares aufbewahrt.

Die Wallfahrt ging von da ab, wenn auch in ganz bescheidenem Ausmaß, in Glaning weiter. Da aber die Authentik (das Zeugnis der Echtheit) für die Reliquien nicht mehr auffindbar zu sein schien (sie war im Fuß des Reliquiars verborgen und wurde erst später wieder entdeckt), erbat man sich aus München, wo in der mittleren Seitenkapelle rechts der Kirche St. Michael der kunstvolle spätmittelalterliche Schrein für die beiden Heiligen steht, „gesicherte“ Reliquien und übertrug diese am 25. Juli 1853 feierlich ins Glaninger Kirchlein, wo sie heute noch in einem Tabernakel auf dem Seitenaltar aufbewahrt werden.